Der weltweite Anstieg der Rohstoff- und Lebensmittelpreise schlägt auf die
Geldbeutel der Deutschen durch. Grundnahrungsmittel und andere Güter des
täglichen Bedarfs wurden zuletzt zum Teil massiv teurer. Nach Berechnungen
des Fachinformationsdienstes Preiszeiger stiegen die Preise um bis zu 43 Prozent.
Im Schnitt der vergangenen zwölf Monate lag das Plus insgesamt bei sieben Pro-
zent. Und eine Trendumkehr ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Der Internationale
Währungsfonds (IWF) erwartet in Europa in diesem Jahr eine Teuerungsrate von
3,8 Prozent. Und laut einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter
professionellen Beobachtern ihrer Geldpolitik dürfte das Preisniveau in den 17
Euro-Ländern in diesem Jahr um 2,5 Prozent anziehen.
Doch diese pauschalierten Zahlen täuschen über den Anstieg der tatsächlichen
Lebenshaltungskosten für viele Verbraucher hinweg. Berechungen des Preiszeigers
zufolge, mussten die Bundesbürger unter anderem für Butter, Kaffee und Pommes
Frittes viel tiefer ins Portemonnaie greifen: So kostet beispielsweise das halbe
Pfund Markenbutter inzwischen durchschnittlich 1,15 Euro statt zuvor 0,85 Euro.
Der Preis für das Pfund Kaffee kletterte um einen Euro auf 3,99 Euro. Den größten
Preissprung verzeichneten die Experten jedoch bei Tiefkühl-Pommes-Frittes: Der
Preis für eine Ein-Kilo-Packung stieg binnen Jahresfrist um 43 Prozent auf 0,99
(0,69) Euro.
Im Europa-Bericht des IWF rechnen die Experten damit, dass die Inflation auch im
kommenden Jahr hoch bleibt und sich Waren und Dienstleistungen im Schnitt um
rund drei Prozent verteuern. Etwas besser sieht das Bild nach Expertenmeinung in
der Euro-Zone aus: Laut EZB-Umfrage wird die Teuerung 2012 auf 1,9 Prozent
zurückgehen und damit wieder auf ein Niveau fallen, dass nach Ansicht der
Notenbanker gerade noch mit der Preisstabilität vereinbar ist.
Experten uneinig über Preissteigerung in 2012
Allerdings überrascht doch der kräftige Sprung in den Inflationserwartungen der
Fachleute. Diese hatten nämlich noch bei der vorangegangenen, im Februar
veröffentlichten Umfrage eine Inflationsrate von 1,9 Prozent für dieses Jahr
geschätzt. Die EZB dürfte sich durch die Umfrageergebnisse darin bestätigt sehen,
ihre kürzlich begonnene Zinswende fortzusetzen.
Die EZB strebt mittelfristig eine Rate von knapp unter zwei Prozent an. Im März
war die Jahresteuerung aber auf 2,7 Prozent und im April auf 2,8 Prozent geklettert.
Die Notenbanker reagierten und hoben im April zum ersten Mal seit dem Höhepunkt
der Finanzkrise im Spätsommer 2008 ihren Leitzins auf nunmehr 1,25 Prozent an.
Experten rechnen mit zwei weiteren Zinsschritten in diesem Jahr - dem ersten
davon im Sommer. Auch die zweite wichtige Zentralbank Europas, die Bank of
England, dürfte noch dieses Jahr an der Zinsschraube drehen.
Die EZB erwartet weiter steigende Preise im Euroraum. "Nach Auffassung des EZB-
Rats besteht weiterhin ein Aufwärtsdruck auf die Gesamtinflation, der zum Großteil
auf die Preisentwicklung bei Energie und Rohstoffen zurückzuführen ist", schreiben
die Währungshüter in ihrem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monats-
bericht. Die Inflationsrate dürfte demnach auch in den kommenden Monaten
deutlich über 2 Prozent liegen.